Die vier Seiten einer Nachricht

Wirst du manchmal von deiner Freundin nicht richtig verstanden oder es kommt immer mal wieder zu heftigen Streitereien oder Auseinandersetzungen, weil ihr euch missverstanden habt? In diesem Beitrag erklären wir dir die vier Seiten einer Nachricht und was du mit diesem Wissen in deiner Kommunikation besser machen kannst.

Lesedauer

Ca. 6 Minuten

Kommunikation ist oft nicht einfach. Vor allem wenn man schon lange mit seiner Partnerin zusammen ist und sich vielleicht ein Kommunikationmuster eingeschlichen hat, und Nachrichten falsch bei ihr ankommen.

Wenn es dir auch so geht, kann dir das Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun (deutscher Psychologe und Kommunikationswissenschaftler) helfen.

Das Modell beschreibt Vielschichtigkeit menschlicher Kommunikation und wie es dadurch zu Missverständnissen und Konflikten kommen kann. Grundlegend für das Modell, war das Postulat von Paul Watzlawick (österreichischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Philosoph und Autor) das besagt, dass jede Aussage einen Inhalts- und Beziehungsaspekt enthält!

Da das Modell sehr bekannt ist, bist du ihm vielleicht während des Studiums oder in der Schule bereits über den Weg gelaufen. Wir möchten es dir nochmal kurz und knackig in Erinnerung rufen.

Los geht’s mit den vier Seiten…

Sachebene

Hier geht es klar um Sachaussagen, Daten und Fakten, Fakten, Fakten.

Die Empfängerin deiner Aussage erhält eine Wahrheit, Relevanz bzw. Hinlänglichkeit.

Selbstoffenbarungsebene

Hier drückt der Sender, bewusst oder unbewusst, etwas über sich aus – über sein Selbstverständnis, seine Werte, Motive, Rollen und Emotionen.

Beziehungsebene

Hier geht es um die Frage: Wie stehe ich zu dir, was halte ich von dir?

Das beinhaltet Wertschätzung, Respekt, Verachtung, Gleichgültigkeit.

Zusätzlich wird das Gesagte ausgedrückt durch die Formulierung, den Tonfall und die Körpersprache.

Der Empfänger kann sich z.B. als akzeptiert, herabgesetzt, bevormundet, respektiert fühlen.

Appellebene

Die Ebene drückt eine Handlungsaufforderung, einen Wunsch oder einen Ratschlag aus. Was sollst du also jetzt machen, denken oder fühlen?

Bei einem offenen Appell, handelt es sich um eine Bitte und bei einem verdeckten Appell um eine Manipulation.

Ein Beispiel

Du sitzt mit deiner Partnerin im Auto. Du sagst zu ihr:

Du darfst hier nur 70 km/h fahren.

Was sendest du auf den vier Ebenen bzw. was kann sie empfangen:

EbeneSenderin (du)Empfängerin (deine Partnerin)
SacheDie Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 70 km/h.Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 70 km/h.
SelbstoffenbarungIch habe Angst vor einem Unfall und/oder geblitzt zu werden.Sie hat Angst vor einem Unfall und/oder geblitzt zu werden.
BeziehungIch helfe dir. Du brauchst meine Hilfe beim Autofahren.Sie glaubt ich kann nicht Auto fahren und kann es besser als ich.
AppellFahr langsamer!Ich soll langsamer fahren.

So, und in dem Moment, in dem deine Partnerin etwas anderes hört, als wie du es gemeint hast, entstehen Missverständnisse und können in Konflikten münden.

Wenn deine Partnerin die Sachinformation (man darf nur 70 km/h fahren) mit dem „Beziehungsohr“ (du weißt alles besser) gehört hat, kann deine Botschaft falsch interpretiert werden. Badabing Badaboom: Es kommt zum Missverständnis.

Desweiteren kann man auf der Empfängerseite vier Zuhörertypen unterscheiden:

  1. Die Sachlichen: Sie halten sich nur an die Daten, Fakten, Tatsachen. Die anderen Ebenen kommen in der Wahrnehmung erst gar nicht vor.
  2. Die Einfühlsamen: Sie hören bei anderen vor allem Aussagen über diese selbst und reagieren darauf, wie es dem anderen ihrer Meinung nach geht.
  3. Die Sensiblen: Sie besitzen ein fettes Beziehungsohr und fühlen sich schnell angegriffen, denken sich verteidigen zu müssen und reagieren oft beleidgt.
  4. Die Handlungsorientierten: Sie reagieren auf den Appell und wollen umgehend aktiv werden, anpacken, helfen.

Denke kurz darüber nach, wie deine Partnerin typischerweise reagiert, wenn du ihr etwas sagst. Kannst du sie zu einem der vier Zuhörertyp einordnen? Die Lösung: Passe deine Kommunikation an!

Erfolgreiche Strategien

Um die Kommunikation mit deiner Partnerin zu verbessern (und um Konflikte zu vermeiden), kannst du folgende zwei Strategien verfolgen:

  1. Formuliere deine Botschaften auf der Ebene, die deine Partnerin am besten versteht.
  2. Als Zuhörerin solltest du bei Unsicherheit deine eigene Interpretation des Gehörten mitteilen.

Ein Bonus: Wie du als Empfängerin Missverständnisse vorbeugst

Doch nicht nur beim Senden von Botschaften kannst du an dir arbeiten, nein nein… wenn deine Partnerin was sagt, kannst du als Empfängerin ebenfalls etwas tun, um Missverständnisse vorzubeugen.

Aktives Zuhören

Beim aktiven Zuhören, teilst du deiner Partnerin fortlaufend mit, was du gehört hast und fasst es kurz in deinen Worten zusammen. Eventuell erwähnst du sogar die Gefühlslage deiner Partnerin, was du denkst, wie es ihr geht. Du nimmst also nicht nur die Worte wahr, sondern du ließt auch zwischen den Zeilen.

Als Beispiel mit dem Autofahren: Sie sagt jetzt zu dir, dass man hier nur 70 km/h fahren darf. Du kannst ihr Gefühl spiegeln und sagen: „Du hast Angst, dass wir geblitzt werden und eine Strafe zahlen müssen“. Sie weiß nun, dass du zugehört hast und kann bestätigen: „Ja genau. Fahr bitte langsamer.“, oder korrigieren: „Das Geld ist mir egal, ich möchte, dass wir heil nach Hause kommen.“

Durch das aktive Zuhören, sorgst du für ein gutes Gesprächsklima und Gespräche verlaufen oft verständnisvoller.

Auf der Metaebene (uhuh jetzt wird’s fancy) vermittelst du folgende Botschaften:

  • Ich höre, was du fühlst.
  • Ich verstehe, wie du die Dinge siehst.
  • Ich bin interessiert und nehme Anteil.

Keine Sorge, du musst beim aktiven Zuhören die Meinung deiner Partnerin nicht teilen, es geht lediglich darum, dass sie erkennt, dass du ihre Gefühl wahr nimmst (ohne darüber zu urteilen).

Ich-Botschaften senden

Bevor deine Freundin bei Kritik wie Ellen reagiert, sind neben dem aktiven Zuhören auch Ich-Botschaften eine extrem konfliktentwaffnende Strategie.

In den meisten Fällen, wenn wir die Partnerin (oder einen Menschen allgemein) kritisieren, neigen wir gerne dazu in Du-Botschaften zu sprechen. Wenn wir bei unserem Autobeispiel bleiben, dann könnte solch eine Botschaft wie folgt aussehen: „Du fährst immer zu schnell!“

Dieser Form der Kritik wird meist schlecht vertragen, weil es immer eine Schuldzuweisung und Herabsetzung ist.


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Wenn du aber Kritik in Ich-Botschaften formulierst, gibst du deiner Partnerin die Möglichkeit sie nicht als Angriff zu sehen und sie leichter anzunehmen. Dazu sollten in Ich-Botschaften immer drei Elemente enthalten sein: Verhalten + Gefühle + Wirkung

Du sagst dann also: „(Schatz,) Du fährst schneller als erlaubst ist. Ich habe Angst, dass wir geblitzt werden und dann ein saftiges Bußgeld erhalten.“

Der dritte Teil deines Satzes (Wirkung) beinhaltet die Argumentation dafür, warum sie ihr Verhalten ändern soll. Dabei muss dir klar sein, dass es letztendlich ihre Entscheidung ist, ob sie ihr Verhalten ändert oder nicht.

Hier noch eine kleine persönlich Note am Rande: Ich finde es sowieso schöner im Allgemeinen in Ich-Botschaften zu sprechen. Wenn mir z.B. ein Film nicht gut gefallen hat, dann sage ich lieber „Ich fand den Film nicht so gut.“ statt „Der Film war absoluter Mist!“ So lasse ich eher andere Meinungen zu, wahre eventuell ihr Gesicht (wenn sie anderer Meinung ist) und behalte die angenehme Gesprächsatmosphäre.

Fazit und Zusammenfassung

Oft denken wir doch, dass Frauen sich untereinander besser verstehen sollten als Mann und Frau. Dem ist ganz klar nicht so, denn es handelt sich schließlich um zwei Frauen und die sind bekanntlich komplexer (und interessanter) gestrickt als Männer (höhö).

Da kann es also schnell vorkommen, dass du von deiner Partnerin missverstanden wirst oder sie etwas falsch versteht. Doch wie kann es dazu kommen, dass sie dein Gesagtes in den falschen Hals, bezogen auf unser Thema, in die falsche Ebene bekommt? Die vier Seiten, die man einer Nachricht zuordnen kann, sind bezogen auf:

  1. Sachebene
  2. Selbstoffenbarungsebene
  3. Beziehungsebene
  4. Appellebene

Wenn sie deine Sachinformation beispielsweise mit dem „Beziehungsohr“ hört, kann deine Nachricht falsch interpretiert werden. Je nachdem mit welchem Ohr sie zuhört, kann sie vom Typ her sachlich, einfühlsam, sensibel oder handlungsorientiert sein.

Damit das nicht passiert, formuliere deine Botschaften auf der Ebene, die deine Freundin am besten versteht.

Oft wird man von seinen Emotionen überwältigt und kann gar keinen klaren Gedanken fassen. Wie hat sie das gemeint? Oder auch, wie kann ich nun darauf reagieren? Gehe dann nochmal in dich, atme tief durch und überlege wie du ihre Botschaft in deinen Worten ausdrücken kannst.

Ich muss zugeben, mir fällt das extrem schwer und ich habe oft einen leeren Kopf, wenn ich mich angegriffen fühle. Obwohl ich mich je nach Situation und Kontext zu der handlungsorientierten Typin zähle.

Du kannst als Empfängerin einer Nachricht ebenfalls zwei Strategien umsetzen, um einen Konflikt zu vermeiden:

  1. Aktives Zuhören und
  2. Ich-Botschaften senden

Nicht nur in deiner Partnerschaft kannst du dich an die vier Seiten einer Nachricht und deinen Strategien erinnern, sondern auch in allen anderen Lebenslagen (Familie, Arbeit, Sport, usw. – überall da, wo du mit Menschen zu tun hast).

Und nun habt euch lieb und redet miteinander – aber so, dass deine Partnerin dich richtig versteht.

Jasna

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