How to Tinder – Ein Erfahrungsbericht

In diesem Beitrag möchte ich meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Tinder teilen. Wie man jetzt ja überall dazu sagen muss: *meine Meinung*. Und vielleicht (oder bestimmt sogar) habt ihr andere Erfahrungen mit dieser App gemacht. Dann lasst sie uns gern in den Kommentaren da.

Lesedauer

Ca. 3 Minuten

Vor gut einem Jahr ging meine letzte Beziehung in die Brüche und ich warf mich auf den Online-Dating-Markt. Zuerst in der Aquema-App und ca. ein Jahr später meldete ich mich auch bei Tinder an. Ich hatte schon so viel von dieser App gehört und wollte mir selbst ein Bild machen. Zuerst fühlte sich das komisch an – wie preist man sich auf diesem Markt der Liebe an? Was wird erwartet und was geht garnicht? Welche Bilder zeigen mich authentisch…wie soll ich mich in wenigen Sätzen beschreiben oder das, was ich suche…wen interessiert es, welches Sternzeichen ich habe? Aber okay, alles ausgefüllt. Dann ging es los.

Ich war überrascht über die Diversität an Frauen und Profilen. Was sofort auffiel, meine Bilder zeigten zu wenig Haut. Meine Beschreibung war viel zu lang. Weniger ist scheinbar mehr. Wenn etwas im Profil stand, dann in vielen Fällen sowas wie: «gerade nichts Festes» oder «ethical non-monogamous», oder «lass sehen, wo das hinführt». Wenn ich ehrlich bin, wusste ich selbst nicht, nach was ich suchte. Diese Frauen wussten es scheinbar und kommunizierten das direkt. Erfrischend.

In den ersten Tagen fühlte ich mich fremd und swipte ungelogen bestimmt 500 Profile nach links bis mir das Handgelenk weh tat. Niemand schien vom ersten Eindruck zu mir zu passen. Woher sollte ich das auch wissen, mit so wenig Information? Also fing ich an meinen Anspruch etwas herunterzuschrauben. Ich hatte mir bis dahin vorgenommen, keine nach rechts zu swipen, wenn nicht ein interessanter Satz im Profil stand. Am Ende ging ich mit «Sekt und knutschen?».

Mein erstes Tinder-Date lief besser als erwartet. Wir hatten nicht viel geschrieben und trafen uns in einer Bar und redeten bis morgens um fünf – zwischendurch sind wir auf ihr Sofa umgezogen. Es lief. Nach zwei weiteren Dates, musste ich 10 Tage in Quarantäne. Sie schrieb immer weniger. Dann die Überraschung: in der Zeit hatte sie sich mit einer anderen Frau getroffen und war nicht mehr an weiteren Dates interessiert. Uff. Nach einem Jahr Herzschmerz wegen einer Frau, die ich auf Aquema kennengelernt hatte, war ich schon wieder zweite Wahl. Das tat weh.

Lesson #1: Auf Tinder bist du eine von vielen Optionen.

App gelöscht, zwei Tage später wieder heruntergeladen. Weiter geht’s, was bleibt im Lockdown schon anderes übrig.

Zweites Date lief ebenfalls erstaunlich gut dafür, dass es ganze drei Worte als Profilbeschreibung gab «music/architecture/art». Spaziergang am Wasser, Jazzbar mit Livemusik. Kein Ort für tiefgründige Gespräche aber für Blicke und sich gegenseitig ins Ohr flüstern. Eine Sache hatten wir nicht abgecheckt: Sie rauchte.

Lesson #2: Frage nach Dingen, die für dich No-Gos sind.

Für mich war rauchen bis dahin eins. Aber sie war mir so sympathisch, dass ich sie trotzdem wiedersehen wollte.

Lesson #3: Kenne deine No-Gos.

Was wir vor dem ersten Treffen geklärt hatten, war der Wunsch nach einer Beziehung. Sie wollte keine, ich schon. Diese unterschiedliche Interessenlage machte es für mich schwierig mich auf das einzulassen, was da passierte. Ich hatte Angst um mein Herz und war super zurückhaltend. Bis wir wieder darüber sprachen verging einige Zeit – schöne Zeit, wertvolle Zeit, die aber immer mit einem Fragezeichen behaftet war.

Sie sagte mal: “Das Leben ist ein Wunschkonzert. Man darf nur nicht vergessen zu sagen, was man möchte.” Es ist wahr. Wir können von unserem Gegenüber nicht verlangen, unsere Wünsche zu kennen und so wie ich dachte, dass sich ihre Meinung darüber vielleicht ändert, hat sie vielleicht das gleiche von mir gedacht.

Lesson #4: Sprich offen (und immer wieder) darüber, was du möchtest und stehe dazu.

Die dritte Frau, die ich in der Zeit kennenlernte, war eine Seele von Mensch. Mit ihr fühlte es sich bereits beim ersten Treffen sehr vertraut an. Wir wagten beide ein Experiment und nahmen uns vor beim ersten Treffen kein Wort miteinander zu wechseln, sondern uns direkt zu küssen.

Das war eine bereichernde Erfahrung. Denn ich lernte, dass ich nicht mit einer Frau schlafen kann, die ich gar nicht kenne. Nach zwanzig Minuten rumknutschen unterbrach ich uns und sagte ihr genau das. Es folgten zwei Stunden reden und das war schön und sehr nah.

Lesson #5: Probiere dich aus und finde heraus, was du magst und was nicht.

Fazit

Mein Fazit: Tinder ist eine Plattform um interessante Frauen zu treffen und mit ihnen bereichernde Erfahrungen zu sammeln. Da alle anderen Filter, die man im realen Leben hat ausgeschaltet sind, wird man vielleicht nicht so schnell die Frau fürs Leben finden.

Aber dafür wird man ziemlich sicher horizonterweiternde Erfahrungen machen. In diesem bunten Gemenge an Interessen, Werten, Vorstellungen und Wünschen kann man neues an sich entdecken und auch feststellen, was einem beim Daten oder am Gegenüber wichtig ist und eben lange nicht selbstverständlich.

Wenn man eine ernsthafte Beziehung sucht, ist Aquema sicher die bessere Wahl aber auch keine Garantie. Und egal, ob Tinder oder Aquema, es muss nur einmal richtig matchen, sodass man diese verdammten Apps endlich für immer löschen kann.

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